​10 Fragen und Antworten über Seedbombs

1. Was sind Seedbombs?

Seedbombs sind kleine Kugeln aus Tonpulver, Erde und Saatgut. Sie werden benutzt um brachliegende Fläche zu begrünen und zu verschönern. Nach dem Werfen brauchen die Seedbombs nur noch einen ersten Regenschauer und schon bald fangen die Samen an zu keimen.

2. Was ist Guerilla Gardening?

Guerilla Gardening ist eine weltweite Bewegung und bezeichnet das nicht erlaubte Gärtnern auf öffentlichen Grund oder auf Flächen, welche einem selbst nicht gehören. Die Motivationen der aktiven Guerilla Gärtner ist unterschiedlicher Natur. Manche wollen mit ihren Pflanzaktionen politischen Protest ausüben. Solche Aktionen finden dann meist in einer Nacht- und Nebel-Aktion statt. Es gibt aber auch Leute, wie den in der Bewegung sehr bekannten Londoner Richard Reynolds, welcher einfach aus Freude am Gärtnern damit anfing. Besonders in Städten, wo die meisten Menschen keinen eigenen Garten haben bietet sich das Guerilla Gardening an. 

3. Warum sollte ich Seedbombs verwenden, anstatt einfach nur Samen zu verstreuen?  

Seedbombs beherbergen ihr eigenes kleines Ökosystem. Die Hülle aus Ton und Erde schützt das Saatgut vor Räubern wie z.B. Vögeln und Ameisen und bietet zudem sämtliche Nährstoffe, welche für den Start benötigt werden. Auch sorgt die Seedbomb dafür, dass die Samen nicht durch Wasser oder Wind weg transportiert werden. Ein weiterer Vorteil ist die Einfachheit und Schnelligkeit mit der man etwas pflanzen kann. Das lästige Bücken und die Notwendigkeit von Gartenwerkzeug fällt weg.  

4. Aus was bestehen Seedbombs? 

Tonpulver, Erde und Saatgut. Mehr braucht man nicht, um eine Seedbomb herzustellen. Aber man sollte nicht einfach irgendwelche Zutaten verwenden. Der Umwelt zuliebe sollte man z.B. Erde ohne Torf benutzen. Dadurch wird der Raubbau an de​m sensiblen Ökosystem Moor zumindest nicht unterstützt. Besonders beim Ton fragen sich bestimmt Viele, wo man diesen denn kaufen kann. In bestimmten Regionen muss man diesen nicht mal kaufen. Oft befindet sich Ton in der näheren Umgebung. Insbesondere in der Nähe von Gewässern. Tonpulver bekommt man im Naturbaustoffhandel. Hier wird einem auch gerne nur ein paar hundert Gramm abgefüllt. Beim Saatgut ist darauf zu achten, dass dieses samenfest ist. Viele Saatguttüten aus dem Baumarkt enthalten Hybride, welche sich nicht von selbst vermehren. 

5. Wer hat die Seedbombs erfunden? 

Einige Quellen behaupten, dass schon die alten Ägypter Seedbombs eingesetzt haben. Nach der jährlichen Überflutung des Nils wurden die nun nährstoffreichen Uferbereiche intensiv durch Landwirtschaft genutzt. Auch in vielen Teilen Asiens wurden ähnliche Techniken eingesetzt. Zudem ist bekannt, dass die Technik Samen mit Lehm zu ummanteln in vielen Kulturen Afrikas praktiziert worden ist.

Als Urvater der Seedbombs wird oft der Japaner Masanobu Fukuoka genannt. Die im Japanischen “nendo dango” genannten Kugeln setzte Fukuoka ein, um sein Land zu kultivieren. Insgesamt bezeichnete Fukuoka seine Methode der Landwirtschaft als “Nichts-Tun-Landwirtschaft”. Klingt gut, oder?

Die moderne Form des Guerilla Gardening wurde durch eine Gruppe von Leuten aus New York geprägt. Liz Christy und einige Mitstreiter hatten genug von den heruntergekommenen Wohnblöcken in ihrer Stadt. Unter dem Namen “green guerillas” fingen sie an Seedbombs über die Zäune von verlassenen Grundstücken zu werfen und Sonnenblumen entlang der Grünstreifen zu pflanzen.

6. Wie stellt man Seedbombs her? 

Um Seedbombs selber herzustellen benötigt man folgende drei Zutaten – Ton, Erde und Saatgut. Entscheidend ist jedoch das Mischungsverhältnis. 

4 Teile Erde (Am besten durch ein 5 mm Sieb gesiebt und damit frei von großen Stücken)

1 Teil Tonpulver (Aus dem Naturbaustoffhandel oder wenn man nur wenige Seedbombs machen möchte, dann kann man auch auf Heilerde aus der Drogerie zurückgreifen)

Ein wenig Saatgut Viele Seedbomb-Rezepte empfehlen hier viel zu viel Saatgut. Man bedenke, dass aus einem winzigen Saatkorn eine kräftige Pflanze wachsen kann. Eine Menge von 15 bis 20 Samen pro Seedbomb sind optimal. Würde man deutlich mehr Saatgut hinzufügen würden die einzelnen Pflanzen in Konkurrenz zu den natürlichen Ressourcen wie z.B. Wasser stehen. Am Ende bekämpfen die jungen Keimlinge sich gegenseitig.

Wenig Wasser Es sollte nur so wenig Wasser wie nötig verwendet werden. Sind die Kugeln nach dem Rollen zu feucht, so brauchen diese lange zum Trocknen und fangen womöglich an zu keimen. Dies möchte man tunlichst vermeiden. Am besten benutzt man einen Wasserzerstäuber und gibt nach und nach das Wasser hinzu.


Anleitung:

Man mische die Erde mit dem Ton und fügt dann das Saatgut hinzu. Anschließend alle Zutaten kräftig miteinander vermischen. Dann langsam das Wasser in kleinen Schritten hinzufügen und kräftig weiter mischen. Am Ende sollte ein zäher “Teig” wie beim Brotbacken entstehen.

Anschließend die Seedbombs mit den Händen zu kleinen Kugeln rollen und an einen warmen Ort zum Trocknen legen. Aber Vorsicht! Zu heiß sollte es auch nicht werden. Einige Anleitungen im Internet schlagen sogar den Backofen vor. Das sollte man vermeiden, denn Samen sind Lebewesen und ab einer Temperatur von 40°C kann es für manche Samen schon kritisch werden.

7. Wie pflanze ich Seedbombs? 

Seedbombs werden eigentlich nicht gepflanzt, sondern geworfen. Am besten sucht man sich eine Stelle, wo der Boden offen ist. Da das Saatgut schon von Erde umhüllt ist, so müssen die Seedbombs auch nicht eingegraben werden. Seedbombs bewirken leider auch keine ​Wunder und so braucht auch das enthaltene Saatgut gute Bedingungen zum Wachstum. Es kann also nicht schaden auch mal mit ein wenig Wasser nachzuhelfen. Insgesamt ist das “pflanzen” von Seedbombs ganz einfach. Ganz nach dem Motto der “Nichts-Tun-Landwirtschaft” von Masanobu Fukuoka. 

8. Müssen Seedbombs vor dem Pflanzen aufgebrochen werden? 

Seedbombs müssen und sollten nicht aufgebrochen werden. Im trockenen Zustand sind sie kleinen Kugeln noch steinhart, aber sobald der erste Regen kommt weichen die Kugeln auf und die Samen haben die Möglichkeit zu keimen.

9. Wann sollte ich die Seedbombs pflanzen?  

Die wohl beste Jahreszeit zum Werfen der Seedbombs is der Frühling. Allerdings hat jede Saatgut-Art so ihre Eigenheiten. Bei Seedbomb City haben wir eine Wurffreigabe. In diesem Zeitraum herrschen meist für das Saatgut optimale Bedingungen.

Samen sind bemerkenswerte Lebewesen, denn sie wissen ganz genau wann sie anfangen müssen zu ​keimen. Sind die Bedingungen nicht optimal, dann befinden sich die Samen in der sogenannten Dormanz. Sie schlafen sozusagen. So kann es durchaus auch vorkommen, dass die Samen erst im nächsten Frühjahr aus dem Schlaf erwachen.

​10. Wo finde ich einen geeigneten Standort? 

Wenn man erst mal mit dem Guerilla Gardening angefangen hat, dann sieht man seine Umgebung ganz anders. Beim Spaziergang um den Block oder auf dem Weg zur Arbeit sieht man plötzlich die wunderbar​sten Stellen. Vielleicht das in Amtssprache sogenannte Straßenbegleitgrün oder eine Baumscheibe, welche doch noch etwas trostlos aussieht. 

Seedbombs werden leider so gut wie nie auf einer dichten Rasenfläche funktionieren. Hier ist einfach die Konkurrenz durch die Gräser zu groß. Auch sollte man darauf achten, dass die Seedbombs genug Sonnenlicht bekommen und vor “Vandalismus” geschützt werden. Schnell parkt mal ein Fahrradfahrer sein Fahrrad an einer Baumscheibe und übersieht dabei das noch zarte Pflänzchen.

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